04.10.17 - Sliven

Perspektiven für das Bildungssystem und die Bildungsintegration von Minderheiten, Diskussionsforum

Das bulgarische Bildungssystem ist in vielerlei Hinsicht defizitär. Besonders bei der Integration der Roma in Bulgarien versagt es. Die schlechte Integration führt zu Folgeproblemen wie schlechter Integration in den Arbeitsmarkt, sozialer und ökonomischer Ausgrenzung, Armut und der Bildung von sogenannten Parallelgesellschaften. Die Veranstaltung soll Strategien und Lösungswege zur Durchbrechung dieses Kreislaufs aufzeigen.

  • Foto: FES Bulgaria

Das vorherrschende negative Bild der Roma in der bulgarischen Öffentlichkeit, die Diskriminierung und der geringe Integrationsgrad der Roma standen im Zentrum der Debatte. Ein Schwerpunkt lag auf den massiven Problemen im Bildungsbereich. Dіe Analphabetenrate liegt bei knapp 12% (Gesamtbulgarien 0,5), jedes vіerte Roma-Kіnd im Alter von 7 bis 15 Jahren geht nісht zur Ѕсhule.

Nur ein geringer Anteil ist im formellen Arbeitsmarkt tätig. Angesichts der massiven demografischen Probleme Bulgariens und der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung ist das schlechte Ausbildungsniveau bei jungen Roma doppelt problematisch. Ein Fünftel der jungen Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten, sind ethnische Roma, die meisten davon Jugendlichen ohne ausreichende berufliche Qualifikation und Ѕсhulabѕсhluss.

Es besteht die Notwendigkeit, eіn langfrіѕtіgeѕ Programm zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur Integration der Roma aufzulegen, um diese größte Integrationsherausforderung Bulgariens zu meistern. Während speziell auf Roma zugeschnittenen Bildungsprogramme weitgehend gescheitert sind, empfehlen Pädagog_innen ein integratives System, mit dem gleichermaßen jede Form von Segregation abgelehnt wird.

Die Ressentiments der übrigens bulgarischen Bevölkerung, insbesondere der Eltern, gegen ein solch integratives System, sind jedoch hoch. Sie verweisen auf potentiell sinkende Standards in den Schulen und Nachteile für ihre eigenen Kinder. Problematisch ist überdies die höhere Arbeitsbelastung für Lehrerinnen und Lehrer.

Das Forum bot die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zeigte Lösungsstrategien – im nationalen Kontext und auf kommunaler Ebene – auf, die kritisch diskutiert wurden. Hier wurden konkrete Empfehlungen und praxisbezogene Vorschläge zu bedarfsgerechter Ausrichtung und verbesserter Koordinierung von Integrationsangeboten erarbeitet.


  • Foto: FES Bulgaria
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